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30.06.2026

Gutachten zur Einkommensteuer: Schon zehn Milliarden Euro könnten mittlere Einkommen spürbar entlasten

Die Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen zu senken, ist ein zentrales finanzpolitisches Ziel der Bundesregierung. Eine Kurzanalyse des ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung zeigt nun: Schon ein Entlastungsvolumen von zehn Milliarden Euro könnte ausreichen, um die Mitte spürbar zu entlasten. Bei einem zu versteuernden Einkommen von 40.000 Euro wäre eine jährliche Entlastung von rund 520 Euro möglich – ohne Erhöhung von Spitzen- und Reichensteuersatz und ohne Schlechterstellung anderer Steuerpflichtiger. Alternativ lasse sich dieselbe Entlastung aufkommensneutral finanzieren, wenn Spitzen- und Reichensteuersatz um jeweils rund drei Prozentpunkte angehoben würden.

"Wer den Einkommensteuertarif im unteren oder mittleren Bereich senkt, entlastet automatisch auch hohe Einkommen, weil diese ebenfalls auf die ersten Einkommensbestandteile weniger Steuern zahlen. Genau dieser Streuverlust macht viele Reformvorschläge teuer. Unser Ansatz zeigt, wie sich Entlastung dort bündeln lässt, wo sie politisch gewünscht ist. Der entscheidende Kniff ist ein gezielter Sprung im Grenzsteuerverlauf", ordnet Holger Stichnoth, Leiter der ZEW-Forschungsgruppe "Ungleichheit und Verteilungspolitik", ein.

Der Vorschlag der ZEW-Ökonomen setzt beim Grenzsteuersatz an. Unterhalb eines festgelegten Zielpunkts – in der Hauptvariante 40.000 Euro zu versteuerndes Einkommen – wird der Grenzsteuersatz gesenkt. Am Zielpunkt springt er wieder auf den bisherigen Tarifverlauf zurück. Oberhalb dieses Punkts bleibt der geltende Tarif unverändert. So profitierten höhere Einkommen nur in dem Umfang, der technisch unvermeidbar sei, so das ZEW. Zum Vergleich führt das Leibniz-Zentrum an: Eine pauschale Entlastung von rund 500 Euro für alle etwa 45 Millionen Steuerpflichtigen würde mehr als 20 Milliarden Euro kosten. Die gezielte Variante erreiche bei 40.000 Euro Einkommen eine ähnliche Entlastung mit nur zehn Milliarden Euro.

Die Analyse zeigt laut ZEW zudem, dass die Reform positive Arbeitsanreize setzen könnte. Schätzungen mit dem ZEW-Mikrosimulationsmodell EviSTA ergäben zusätzliche Arbeitsangebotseffekte von rund 50.000 bis 60.000 Vollzeitäquivalenten. Die fiskalischen Zweitrundeneffekte lägen demnach bei 1,5 bis 2 Milliarden Euro pro Jahr. Die Berechnungen basierten auf der tariflichen Einkommensteuer nach § 32a Einkommensteuergesetz, Rechtsstand 2026, und auf Daten der Lohn- und Einkommensteuerstatistik 2022, die auf das Jahr 2026 fortgeschrieben wurden. Der Solidaritätszuschlag bleibe in den Simulationen unverändert; berücksichtigt werde jedoch, dass Änderungen bei der Einkommensteuer auch den Soli beeinflussen.

ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, PM vom 29.06.2026